Der Gender Pay Gap liegt in Österreich je nach Messmethode deutlich auseinander. Beim EU Indikator auf Basis von Bruttostundenverdiensten beträgt er 18,3 Prozent. Diese Zahl zeigt den durchschnittlichen Abstand im Stundenlohn in der Privatwirtschaft.
Einleitung
Wenn über Einkommensgerechtigkeit gesprochen wird, fällt ein Begriff fast immer zuerst: Gender Pay Gap. Gemeint ist damit eine statistische Lücke zwischen den Einkommen von Frauen und Männern. In der Praxis wird diese Lücke jedoch nicht nur auf eine Art gemessen. Unterschiedliche Datenquellen und Bezugsgrößen führen zu unterschiedlichen Ergebnissen.
Für die Einordnung ist entscheidend, welche Frage Sie eigentlich beantworten wollen. Geht es um den durchschnittlichen Unterschied im Bruttostundenverdienst in der Privatwirtschaft, wie ihn Eurostat als EU Indikator ausweist. Oder geht es um den Abstand bei Jahres oder Monatseinkommen, der stark von Teilzeit, Unterbrechungen und Branchen abhängt. Erst mit dieser Klarheit wird die Zahl wirklich aussagekräftig.
Was bedeutet Gender Pay Gap genau?
Was misst der Gender Pay Gap und was nicht?
Der Gender Pay Gap beschreibt den prozentuellen Unterschied zwischen den durchschnittlichen Einkommen von Frauen und Männern. In der EU Praxis bezieht sich der Standardindikator auf Bruttostundenverdienste in der Privatwirtschaft in Unternehmen ab zehn Beschäftigten. Diese Perspektive reduziert den Einfluss unterschiedlicher Arbeitszeiten, weil Stunden statt Monatswerte verglichen werden.
Wichtig ist die Abgrenzung: Der Indikator sagt nicht automatisch, dass Frauen und Männer für exakt gleiche Tätigkeiten unterschiedlich bezahlt werden. Er zeigt zunächst eine durchschnittliche Differenz. Diese Differenz kann teilweise durch strukturelle Faktoren entstehen, etwa durch Branchenwahl, berufliche Positionen, Betriebszugehörigkeit oder unterschiedliche Karrieremuster. Ein Rest bleibt statistisch unerklärt, ohne dass daraus allein ein einzelner Grund folgt.
Wie wird der Gender Pay Gap gemessen?
Welche Kennzahlen werden in Österreich am häufigsten genutzt?
In Österreich sind zwei Messansätze besonders präsent. Erstens der EU Indikator nach Eurostat, der den Abstand im durchschnittlichen Bruttostundenverdienst in der Privatwirtschaft abbildet. Zweitens Berechnungen auf Basis von Jahres oder Monatseinkommen, häufig bezogen auf Vollzeitbeschäftigte. Diese Werte eignen sich, um lebensnahe Einkommensrealitäten zu zeigen, sind aber stärker von Arbeitszeit, Erwerbsunterbrechungen und Beschäftigungsumfang geprägt.
Ein häufiger Stolperstein liegt in der Vermischung dieser Kennzahlen. Ein Stundenlohnindikator und ein Jahreslohnindikator beantworten nicht dieselbe Frage. Wer Aussagen vergleichen will, sollte immer prüfen, ob es um Stunden, Monate oder Jahre geht, ob Teilzeit enthalten ist und welche Beschäftigtengruppe betrachtet wird.
Wie hoch ist der Gender Pay Gap in Österreich im Schnitt?
Welche Zahl gilt als offizieller Richtwert?
Als offizieller Richtwert für den internationalen Vergleich gilt der EU Indikator. Für Österreich wird für das Jahr 2023 ein Gender Pay Gap von 18,3 Prozent ausgewiesen. Dieser Wert liegt deutlich über dem EU Durchschnitt von 12,0 Prozent. Er bezieht sich auf die Privatwirtschaft und auf Bruttostundenverdienste.
Parallel kursiert eine zweite, alltagsnähere Kennzahl, die häufig im Kontext des Equal Pay Day genannt wird. Sie basiert auf Median Bruttojahreseinkommen von ganzjährig Vollzeitbeschäftigten und ergibt aktuell einen Abstand von rund 11,6 Prozent. Aus dieser Perspektive wird der Unterschied oft in Kalendertage übersetzt. Für 2026 wird daraus eine rechnerische Differenz von 42 Tagen abgeleitet.
Warum unterscheiden sich die Ergebnisse je nach Methode so stark?
Weshalb ergibt der Stundenlohn eine andere Lücke als das Jahreseinkommen?
Der Stundenlohnansatz reduziert den Einfluss unterschiedlicher Arbeitszeiten. Er zeigt, was im Durchschnitt pro Stunde bezahlt wird, und macht Unterschiede in Branchen, Positionen und betrieblichen Strukturen sichtbar. Beim Jahres oder Monatseinkommen wirken zusätzliche Faktoren stark mit. Dazu zählen Teilzeitquoten, Karenzzeiten, Überstunden, Sonderzahlungen und die Frage, ob jemand das ganze Jahr durchgehend beschäftigt war.
Gerade in Österreich sind Teilzeitmuster ein zentraler Einflussfaktor. Wenn Frauen deutlich häufiger in Teilzeit arbeiten, sinkt das Jahreseinkommen auch dann, wenn der Stundenlohn identisch wäre. Gleichzeitig kann Teilzeit im Schnitt pro Stunde niedriger entlohnt sein, etwa durch geringere Zulagen oder weniger häufige Überstunden. Dadurch kann sich der Abstand je nach Datenschnitt vergrößern oder verkleinern.
Welche Faktoren treiben den Gender Pay Gap in Österreich?
Welche Ursachen gelten als besonders relevant?
Analysen auf Basis österreichischer Verdienststrukturdaten zeigen, dass sich ein Teil der Lücke statistisch erklären lässt. Zu den zentralen Treibern gehören Branchenunterschiede, die Verteilung auf Berufe und Positionen, die Dauer der Unternehmenszugehörigkeit sowie das Beschäftigungsausmaß. Auch regionale Arbeitsmärkte und Unternehmensgrößen spielen eine Rolle, weil Lohnniveaus und Karrierelogiken je nach Umfeld variieren.
Ein weiterer Hebel liegt in Karriereverläufen ab dem frühen Erwachsenenalter. In vielen Datenauswertungen steigt die Lücke mit zunehmendem Alter. Typisch ist ein Knick rund um Familiengründungsphasen. Hier wirken Betreuungsaufgaben, Unterbrechungen und geringere Verfügbarkeit für Vollzeit oder Führungsrollen. Damit verschieben sich Aufstiegswahrscheinlichkeiten, Gehaltsentwicklungen und Verhandlungsmacht.
Welche Rolle spielen Branche und Berufswahl?
Warum sind typische Frauenbranchen oft schlechter bezahlt?
Der Arbeitsmarkt ist in Österreich weiterhin stark nach Geschlecht segmentiert. Viele Frauen arbeiten in Dienstleistungsbereichen wie Handel, Pflege, Bildung, Gastronomie oder administrativen Tätigkeiten. Diese Bereiche sind häufig niedriger entlohnt als technische oder industrielle Felder. Das liegt unter anderem an historisch gewachsenen Lohnstrukturen, Produktivitätsbewertungen, Kollektivvertragslogiken und der geringeren Präsenz von Hochlohnfunktionen.
Diese Struktur wirkt auf den Gender Pay Gap, auch wenn innerhalb eines Unternehmens keine direkte Diskriminierung vorliegt. Wenn Männer häufiger in besser bezahlten Branchen und Rollen arbeiten, steigt der durchschnittliche Abstand. Umgekehrt können Maßnahmen, die Frauen den Zugang zu besser bezahlten Feldern erleichtern, langfristig den Abstand reduzieren.
Welche Bedeutung hat Teilzeit in Österreich?
Wie beeinflusst Teilzeit den Gender Pay Gap praktisch?
Teilzeit ist in Österreich besonders verbreitet. Dabei arbeiten Frauen deutlich häufiger in reduzierten Stundenmodellen. Das wirkt zunächst stark auf Jahres und Monatseinkommen, weil weniger Stunden bezahlt werden. Doch es gibt auch indirekte Effekte: Teilzeit verringert oft die Wahrscheinlichkeit, Leitungsfunktionen zu übernehmen. Sie kann außerdem zu weniger variablen Gehaltsbestandteilen führen, etwa durch geringere Überstunden oder Leistungszulagen.
Hinzu kommt ein Effekt, der in Analysen wiederkehrt: Teilzeit kann im Schnitt pro Stunde niedriger entlohnt sein. Das hat nicht nur mit dem Stundensatz zu tun, sondern auch mit der Zusammensetzung des Entgelts. Wer seltener in Funktionen mit Zulagen arbeitet oder weniger in Schichtsystemen tätig ist, hat pro Stunde häufig ein anderes Entgeltprofil.
Was sagt der Gender Pay Gap über Entgeltdiskriminierung?
Ist der Gender Pay Gap ein Beweis für ungleiche Bezahlung?
Der Gender Pay Gap ist ein Warnsignal, aber kein automatischer Beweis für Entgeltdiskriminierung im Einzelfall. Er zeigt eine durchschnittliche Differenz, die aus vielen Ursachen entstehen kann. Dazu zählen berufliche Strukturen, Arbeitszeitmuster, Karriereunterbrechungen und die Verteilung auf Hierarchieebenen. Ein Teil bleibt statistisch unerklärt, ohne dass daraus zwangsläufig ein einzelner Mechanismus folgt.
Für die Frage nach Diskriminierung braucht es eine andere Prüfung: die konkrete Entgeltpraxis bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit. Hier greifen rechtliche Prinzipien, interne Gehaltsbänder, Stellenbewertungen und dokumentierte Vergütungskriterien. Unternehmen können den Gap als Ausgangspunkt nutzen, um Prozesse zu prüfen, statt ihn als abschließendes Urteil zu verstehen.
Rechtlicher Rahmen und neue Transparenzpflichten
Welche Regeln sind für Betriebe und Beschäftigte relevant?
In Österreich gilt das Gleichbehandlungsprinzip im Arbeitsleben. Es schützt vor Diskriminierung beim Entgelt. Parallel verschärft die EU die Anforderungen an Transparenz und Durchsetzung. Die EU Richtlinie zur Lohntransparenz verpflichtet Mitgliedstaaten zur Umsetzung neuer Informations und Berichtspflichten. Ziel ist es, Entgeltstrukturen nachvollziehbarer zu machen und Betroffenen bessere Durchsetzungsmöglichkeiten zu geben.
Für die Praxis bedeutet das: Mehr Unternehmen werden systematisch prüfen müssen, wie Entgelt festgelegt wird. Dazu gehören klare Kriterien, vergleichbare Stellenbewertungen und nachvollziehbare Gehaltsentwicklungen. Für Beschäftigte steigt der Wert dokumentierter Informationen, etwa zur Einstufung, zu Gehaltsbändern und zu objektiven Kriterien für Erhöhungen.
Was können Sie als Beschäftigte oder Führungskraft konkret tun?
Der Gender Pay Gap wirkt abstrakt, solange er nur als Prozentzahl im Raum steht. Für die eigene Situation bringt es mehr, strukturiert zu prüfen, welche Hebel tatsächlich erreichbar sind. Dazu zählt die Frage, wie Entgelt im Betrieb festgelegt wird, wie Einstufungen funktionieren und welche Kriterien bei Gehaltsschritten gelten. Gleichzeitig lohnt es sich, den eigenen Marktwert auf Basis vergleichbarer Rollen realistisch einzuordnen.
Die folgenden Punkte erhöhen die Informationsdichte, wenn Sie sie im Alltag konsequent umsetzen. Die Liste ersetzt keine Rechtsberatung. Sie hilft dabei, Fragen zu ordnen und Gespräche besser vorzubereiten.

- Rollenprofil klären: Halten Sie Aufgaben, Verantwortung und Entscheidungsspielraum schriftlich fest.
- Vergleichsgruppe definieren: Vergleichen Sie sich mit gleichwertigen Rollen, nicht nur mit Titeln.
- Entgeltbestandteile prüfen: Achten Sie auf Zulagen, Prämien, Überstunden und Einstufungen.
- Karrierepfad planen: Sichern Sie Weiterbildung und Sichtbarkeit, auch in Teilzeitmodellen.
- Gespräche vorbereiten: Argumentieren Sie mit Leistung, Verantwortung und Marktvergleich.
Wenn Sie diese Schritte mit Daten und Beispielen unterlegen, steigt die Qualität Ihrer Verhandlung. Gleichzeitig verbessern Sie die Chance, Missverständnisse über Einstufung und Leistungskriterien früh zu erkennen. Für Führungskräfte gilt derselbe Grundsatz: Transparente Kriterien reduzieren Konflikte, senken Fluktuation und stärken die Arbeitgeberattraktivität.
Typische Fehler in der Debatte und in der Unternehmenspraxis
Welche Missverständnisse führen am häufigsten zu falschen Schlüssen?
Ein häufiger Fehler ist die Gleichsetzung verschiedener Kennzahlen. Stundenlohn, Monatslohn und Jahreseinkommen werden in Medien und Gesprächen oft vermischt. Dadurch entsteht der Eindruck, Zahlen würden sich widersprechen. In Wirklichkeit beantworten sie unterschiedliche Fragen. Wer sauber trennt, kann seriöser vergleichen und gezielter handeln.
Ein zweiter Fehler liegt in zu groben Vergleichen. Ein Blick auf Durchschnittswerte ohne Stellenbewertung, Qualifikation und Verantwortung führt selten zu fairen Ergebnissen. Unternehmen unterschätzen zudem oft die Wirkung intransparenter Zulagen oder uneinheitlicher Einstufungen. Genau dort entstehen viele Konflikte, weil Entscheidungen im Nachhinein schwer erklärbar sind.
Kernfakten im Überblick
| Aspekt | Wesentliches |
|---|---|
| EU Indikator | Österreich liegt 2023 bei 18,3 Prozent im Bruttostundenverdienst der Privatwirtschaft. |
| Vollzeit Jahresvergleich | Auf Basis von Median Bruttojahreseinkommen Vollzeit ergibt sich aktuell rund 11,6 Prozent Abstand. |
| Vergleich zur EU | Der EU Durchschnitt liegt 2023 bei 12,0 Prozent und damit deutlich niedriger. |
| Wichtigste Treiber | Branche, Beruf, Betriebszugehörigkeit und Beschäftigungsausmaß beeinflussen die Lücke deutlich. |
| Praxishebel | Transparente Kriterien, Stellenbewertung und nachvollziehbare Entgeltbestandteile reduzieren Risiken. |
Fazit
Wenn Sie fragen, wie hoch der Gender Pay Gap in Österreich im Schnitt ist, hängt die seriöse Antwort von der Messmethode ab. Für den EU Vergleich gilt der Bruttostundenindikator. Er liegt für 2023 bei 18,3 Prozent und damit klar über dem EU Durchschnitt. Für die Lebensrealität von Beschäftigten wird oft ein Vollzeit Jahresvergleich genutzt, der aktuell rund 11,6 Prozent zeigt. Beide Kennzahlen sind korrekt, aber nicht austauschbar.
In der Praxis lohnt sich ein doppelter Blick: Erstens auf Strukturen wie Branchen, Teilzeit und Karrierepfade. Zweitens auf konkrete Entgeltregeln im Betrieb, etwa Einstufung, Zulagen und Gehaltsschritte. Wer diese Ebenen trennt, kann faktenbasiert diskutieren und gezielt handeln. Damit wird aus einer Schlagzeile eine belastbare Grundlage für faire Entscheidungen.
Häufig gestellte Fragen zum Thema „Gender Pay Gap“
Wie unterscheiden sich Gender Pay Gap und Equal Pay für gleichwertige Arbeit?
Der Gender Pay Gap ist eine statistische Kennzahl. Er zeigt den durchschnittlichen Einkommensabstand zwischen Frauen und Männern in einer definierten Gruppe. Equal Pay meint dagegen einen Rechtsgrundsatz. Er verlangt gleichen Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit innerhalb vergleichbarer Bedingungen. Das eine ist ein Messinstrument, das andere ein Anspruch. Sie sollten beide Ebenen trennen, weil sonst falsche Schlüsse entstehen. Ein hoher Gap kann strukturelle Ursachen haben. Gleichzeitig kann es in einzelnen Betrieben auch bei niedrigem Gap zu Diskriminierung kommen.
Für die Praxis hilft ein zweistufiges Vorgehen. Nutzen Sie den Gender Pay Gap, um Risiken zu erkennen. Prüfen Sie dann konkret, ob Einstufungen, Zulagen oder Gehaltsschritte bei gleichwertigen Rollen sachlich begründet sind. Erst diese Detailprüfung liefert belastbare Hinweise für Handlungsbedarf.
Warum kann der Gender Pay Gap sinken, obwohl viele Menschen keine Verbesserung spüren?
Ein sinkender Gender Pay Gap bedeutet, dass sich der durchschnittliche Abstand verringert. Das kann durch mehrere Effekte passieren, etwa durch stärkere Lohnzuwächse in typischen Frauenbranchen, durch mehr Frauen in besser bezahlten Rollen oder durch statistische Verschiebungen im Arbeitsmarkt. Einzelne Personen spüren das nicht automatisch, weil ihre individuelle Gehaltsentwicklung von Betrieb, Kollektivvertrag, Position und Verhandlung abhängt. Auch Inflation und Arbeitszeitänderungen können den subjektiven Eindruck prägen.
Wenn Sie Verbesserungen bewerten wollen, schauen Sie zusätzlich auf Ihre Entgeltbestandteile und auf Karrierechancen. Prüfen Sie, ob sich Einstufungen, Zulagen und Aufstiegsmöglichkeiten in Ihrem Umfeld verändern. Das ist oft aussagekräftiger als der Blick auf eine einzige nationale Kennzahl.
Welche Rolle spielen Sonderzahlungen und variable Gehaltsbestandteile in Österreich?
In Österreich sind Sonderzahlungen und variable Bestandteile in vielen Branchen wichtig. Dazu zählen etwa Prämien, Zulagen, Überstunden oder kollektivvertragliche Zusatzleistungen. Diese Komponenten können den Abstand vergrößern, wenn Männer häufiger in Funktionen arbeiten, in denen solche Bestandteile typischer sind, etwa in Schichtmodellen, in vertriebsnahen Rollen oder in technischen Bereichen. Auch die Frage, wer mehr Überstunden leisten kann, beeinflusst das Ergebnis bei Jahreseinkommen.
Für Ihre Einordnung sollten Sie daher nicht nur den Grundlohn betrachten. Prüfen Sie das Gesamtpaket aus Fixum, variablen Komponenten und Entwicklungsmöglichkeiten. Gerade bei Vergleichen im Kollegenkreis entstehen Missverständnisse, wenn Sonderzahlungen nicht transparent sind oder wenn unterschiedliche Arbeitszeitmodelle mit unterschiedlichen Zulagenlogiken kombiniert werden.
Kann ein Betrieb einen Gender Pay Gap haben, obwohl er fair bezahlt?
Ja, das ist möglich. Ein Unternehmen kann faire Entgeltregeln für gleiche oder gleichwertige Arbeit haben und trotzdem einen messbaren Gender Pay Gap aufweisen. Das passiert vor allem dann, wenn Frauen und Männer im Betrieb ungleich über Hierarchiestufen, Funktionen oder Standorte verteilt sind. Wenn etwa Männer häufiger in höher bewerteten Rollen arbeiten oder wenn Frauen häufiger in Teilzeit und in weniger zulagenintensiven Bereichen tätig sind, entsteht ein durchschnittlicher Abstand, ohne dass eine einzelne Entgeltentscheidung diskriminierend sein muss.
Für Unternehmen ist das trotzdem relevant. Ein Gap kann auf strukturelle Barrieren hinweisen, etwa bei Beförderungen, Projektzugang oder Vereinbarkeit. Wer fair bleiben will, sollte daher nicht nur Löhne prüfen, sondern auch Karrierepfade, Stellenbewertungen und die Besetzung von Schlüsselrollen.
Welche Daten sind für private Vergleiche am zuverlässigsten?
Für private Vergleiche sind Daten am hilfreichsten, die Ihre Situation möglichst genau abbilden. Ein nationaler Durchschnittswert ist dafür nur begrenzt geeignet. Aussagekräftiger sind Vergleiche innerhalb derselben Branche, derselben Region und mit ähnlicher Verantwortung. Achten Sie darauf, ob es um Stunden oder Monatswerte geht und ob Sonderzahlungen enthalten sind. Ohne diese Klarheit können zwei scheinbar gleiche Zahlen völlig verschiedene Sachverhalte beschreiben.
Wenn Sie eine Gehaltsentscheidung vorbereiten, kombinieren Sie mehrere Perspektiven: interne Einstufung und Kollektivvertrag, marktübliche Bandbreiten und Ihre konkrete Aufgabenbeschreibung. Das reduziert das Risiko, sich an einem Wert zu orientieren, der statistisch korrekt ist, aber für Ihre Rolle kaum Aussagekraft hat.
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